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Interview: Kommunikation unter Druck

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Interview mit Raimund Brichta, Moderator und langjähriger Börsenexperte von n-tv. Brichta (50) moderiert seit 1992 die Telebörse beim deutschen Nachrichtensender n-tv. Außerdem ist der Diplom-Volkswirt als Sachbuchautor und freier Wirtschaftsjournalist aktiv.

Welche Rolle spielen die Medien in der Krise?

Eigentlich wollen sie den Lesern, Zuschauern und Zuhörern die Hintergründe der Krise aufzeigen. Leider vermitteln sie mir dabei häufig den Eindruck, dass sie genauso hilflos sind wie die mutmaßlich Verantwortlichen.

Wie eine Meute stürzen sich die Medien zum Beispiel auf besondere „Aufreger-Themen“ wie die Managergehälter. Diese Manie geht bis zu „Meldungen“, nach denen Bundesbankchef Weber im vergangenen Jahr 10.000 Euro mehr verdient hat als im Vorjahr. Ist das nicht erschütternd? Weber hat sogar mehr verdient als EZB-Chef Trichet. Unglaublich!

Welche Kommunikationsfehler machen Vorstände aus Ihrer Sicht in der Krise?

Sie lassen sich zu sehr von den Medien in bestimmte Richtungen treiben. Wer sich stets selbst über den richtigen Weg fundierte Gedanken macht, hat das nicht nötig. Er kann zu seinen Entscheidungen stehen und auch einmal offen einräumen, wenn sich einige von ihnen im Nachhinein als falsch herausstellen sollten. Schließlich ist auch unternehmerisches Handeln immer ein Handeln unter Unsicherheit.

Wie offen und transparent ist Unternehmenskommunikation, wenn es statt Wachstums- und Umsatzrekorden nur Auftragsrückgänge und Stellenabbau zu verkünden gibt?

Natürlich verbreitet man gute Nachrichten lieber als schlechte, so dass man sich bei schlechten Nachrichten eher zurückhält. Dass das falsch ist, darüber besteht ja wohl kein Zweifel. Andererseits habe ich auch den Eindruck, dass einige Unternehmen die Krise als eine gute Entschuldigung für unangenehme Maßnahmen ansehen, als Sündenbock für eigene Versäumnisse. Das ist zwar verständlich, hat aber nichts mit Offenheit und Transparenz zu tun.

Welche Beobachtungen haben Sie seit Ausbruch der Krise bei den handelnden Unternehmen gemacht: Wie professionell gehen sie damit um, wie gut sind sie vorbereitet?

Oh, da gibt es große Unterschiede, das lässt sich nicht verallgemeinern. Am schlechtesten – das ist offensichtlich – schneiden in dieser Hinsicht die Banken ab, vor allem die großen. Am anderen Ende der Skala sehe ich zum Beispiel Unternehmen wie die Deutsche Börse. Aber hier hängt natürlich professionelles geschäftliches Handeln und professionelle Kommunikation eng zusammen. Ich kann mir kaum vorstellen, dass man das, was in den Banken falsch gemacht wurde, auch nur annähernd „professionell“ und „gut vorbereitet“ kommunizieren kann. Da tun mir die Kollegen, die damit beauftragt sind, ehrlich gesagt leid.

Erwarten Sie, dass die Krise an der Kommunikation börsennotierter Unternehmen langfristig irgendetwas verändern wird?

Nein!

Können insbesondere Banken den entstandenen Vertrauensverlust mit kommunikativen Maßnahmen wieder auffangen?

Nein, auch wenn das die Kommunikationsexperten gerne hätten, weil sie daran verdienen könnten. Allenfalls umgekehrt wird ein Schuh draus: Die betroffenen Banken müssen zuerst in ihrem Handeln unter Beweis stellen, dass sie „gelernt“ haben. Erst dann kann man diesen Prozess auch sinnvoll kommunikativ begleiten. Soweit ist es aus meiner Sicht aber noch nicht.

Wozu raten Sie den Kommunikationsverantwortlichen?

Dass sie sich mehr von ihren eigenen Erkenntnissen und Überzeugungen leiten lassen und ihren Chefs nicht nach dem Munde reden. Das ist leider häufig schwieriger als man glaubt.

Wir danken Herrn Brichta für das Gespräch.

Viel Kommunikation - wenig Strategie

„Voraussetzung für Öffentlichkeitsarbeit/ Public Relations sind aktive und langfristig angelegte kommunikative Strategien.“ So steht es im Berufsbild der Deutschen Public Relations Gesellschaft e.V. (DPRG) geschrieben. Strategie und Kommunikation sollten zweifellos untrennbar miteinander verbunden sein. Allerdings klaffen Anspruch und Wirklichkeit oft auseinander. Unsere Befragung der Kommunikationschefs in den 400 umsatzstärksten Unternehmen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz zeigt: Strategische Planung findet in vielen Fällen noch nicht statt.

harvard-business-managerZu diesem Thema schrieben Petra Nix, Stefanie Schnöring und Gabriele Giegert einen Beitrag für die aktuelle Ausgabe des Harvard Businessmanagers.

Die wesentlichen Ergebnisse der Studie haben wir auch in einer Pressemitteilung zusammengefasst.